DURCHBRUCHSCHMERZEN

Unter Durchbruchschmerzen versteht man Schmerzen, die bei oder trotz einer ständigen Schmerzmitteleinnahme nach Zeitplan (Dauermedikation) wegen Dauerschmerzen zwischendurch "durchbrechen".

Größtenteils haben Durchbruchschmerzen einen identifizierbaren und damit vermeidbaren Auslöser, so z.B. willkürliche Bewegungen, bestimmte Körperhaltungen, Berührung oder bei Dauerschmerz en im Magen / Darm bereich auch bestimmte Speisen. In aller Regel kennt ein Patient die Auslöser und meidet sie denn auch.
Ansonsten muß der Arzt dem Patient gegen die Durchbruchschmerzen ein zusätzliches Schmerzmittel verschreiben, wobei es bestimmte Regeln zu beachten gibt.

Das zusätzliche Schmerz mittel (die Schmerz mittelreserve) soll rasch resorbierbar (= Aufnahme in den Organismus) sein, weshalb sich retardierte (= mit verzögerter Aufnahme in den Organismus) Schmerzmittel zubereitungen zur Kupierung von Durchbruchschmerz en nicht eignen und das zusätzliche Schmerzmittel darf der Grund- oder Basisschmerzmedikation nicht entgegenwirken (siehe unten).

Werden als Basismedikation täglich sog. NSAID`s (= nichtsteroidale Antirheumatika) eingenommen und das nahe an der täglichen Maximaldosis, so muß als zusätzliches Schmerzmittel zur Kupierung der Durchbruchschmerz en ein schwaches oder eine kleine Dosis eines starken Opioides verordnet werden. Patienten sind unbedingt darauf aufmerksam zu machen, dass rezeptfrei eingekaufte NSAID`s zusätzlich zu einer (ärztlich verordneten) Grundmedikation mit NSAID`s ein hohes gastrointestinales (= Magen/Darm betreffendes) Risiko bedeuten (Magenschleimhautentzündung, Magenblutung).

Bei auf retardiertes orales Morphin (= morphiumhaltige Tabletten mit verzögerter Abgabe) eingestellten Patienten kommt zur Behandlung der Durchbruchschmerzen die schneller resorbierbare (= im Darm aufnehmbare) wäßrige Morphin-Lösung in Betracht, die von jedem Apotheker hergestellt werden kann.
Gleiches gilt für Tilidin oder Tramadol
, wobei aber die jeweilige Tropfenform im Handel ist.
Wird die Basistherapie mit einem Fentanyl-Schmerzpflaster durchgeführt, so können Durchbruchschmerz en (= Schmerzspitzen) mit ACTIQ® abgefangen werden, diese Fentanyl-Darreichungsform wird mit Hilfe eines speziellen Applikators über die Wangenschleimhaut inkorporiert (= in den Körper/Organismus eingebracht).
Ist der Patient auf ein Buprenorphin-Schmerzpflaster eingestellt, so kann bei Durchbruchschmerzen zusätzlich die schnell resorbierbare (= Aufnahme in den Körper) sublinguale (= unter der
Zunge verabreichte) Form gegeben werden.
Bei Buprenorphin ist aber der sog. Ceiling-Effekt zu beachten: ab einer bestimmten, relativ individuellen Tagesdosis bleibt eine weitere, zusätzliche Gabe wirkungslos. Gegebenenfalls muß der Patient dann auf ein anderes Opioid eingestellt werden.

Eine Kombination von Opioide n sollte wegen des Agonisten/Antagonisten-Problems (= teilweise gegenseitige Wirkungsaufhebung) unterbleiben.

Durchbruchschmerz en in Form von neuropathischen Schmerzen sind mit gewöhnlichen Analgetika (= Schmerzmittel) kaum zu beherrschen. Neuropathische Schmerzen bzw. neuropathische Schmerz schübe werden mit der regelmässigen Gabe von trizyklischen Antidepressiva (= Mittel gegen Depressionen, aber auch gegen bestimmte Schmerzen wirksam) und mit Antikonvulsiva (= Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen bestimmte Schmerzen wirksam) (z.B. Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin) behandelt.

Generell sollte versucht werden, Durchbruchschmerzen zu verhüten. Dies bedingt eine exakte Kenntnis ihrer Ursachen und Mechanismen und kann eine Fallbesprechung mit Schmerz spezialisten in einer multidisziplinären Schmerz konferenz rechtfertigen.

Auf der Internetseite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit, daß seit dem 1.4.07 alle gesetzlich krankenversicherte Personen jetzt einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation (damit auch auf eine Schmerzrehabilitation) haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen können.

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Aktualisiert: >19.03.2008</> kusb&04/08
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